Prof. Dr. Burghard Piltz, (BDPHG, Gütersloh)
Neue Entwicklungen im UN-Kaufrecht (1994),

in: Neue Jurustische Wochenschrift (NJW) 1994, Heft 17, S. 1101-1006

Neue Entwicklungen im UN-Kaufrecht
Rechtsanwalt Dr. Burghard Piltz, Gütersloh

Seit dem 1. 1. 1991 gilt in der Bundesrepublik Deutschland das UN-Kaufrecht (CISG) für praktisch alle Exportgeschäfte und für die Importe aus einem der anderen derzeit 36 und ab 1. 10. 1994 37 Vertragsstaaten. Von der Praxis wird das UN-Kaufrecht zunehmend aufgegriffen. Zu dem UN-Kaufrecht liegen zwischenzeitlich 45 Entscheidungen vor, u. a. auch aus Argentinien, Frankreich, Mexiko, Österreich, Ungarn und den USA. Der nachstehende Beitrag stellt den derzeitigen Stand der Vertragsstaaten dar und faßt die bislang ergangene Rechtsprechung in systematischer Aufbereitung zusammen.

I. Vertragsstaaten
Das auf der Konferenz in Wien im Jahre 1980 verabschiedete Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 11. 4. 1980 über Verträge über den internationalen Warenkauf (UN-Kaufrecht) (1) ist nach dem Stand von Februar 1994 in den nachstehend aufgeführten Staaten geltendes, von Amts wegen zu beachtendes Recht (2). Die von einzelnen Staaten erklärten Vorbehalte zur Anwendung des UN-Kaufrechtes sind jeweils vermerkt:
  • Ägypten, in Kraft seit 1. 1. 1988
  • Argentinien, in Kraft seit 1. 1. 1988, Vorbehalt gem. Art.96 CISG (Formerfordernisse);
  • Australien, in Kraft seit 1. 4. 1989, das Übereinkommen gilt nich für die Weihnachtsinsel, die Kokosinseln und die Ashmore- und Cartier-Inseln;
  • Bosnien-Herzegowina, in Kraft seit 6. 3. 1992
  • Bligarien, in Kraft seit 1. 8. 1991
  • Bundesrepublik Deutschland, in Kraft seit 1. 1. 1991, jedoch Ausschluß der Anwendung nach Art. 1 I lit. b, wenn die Regeln des Internationalen Privatrechts zur Anwendung des Rechts eines Vertragsstaates führen, der einen Vorbehalt nach Art. 95 erklärt hat (Art. 2 des Vertragsgesetzes, BGBl II 1989, 586);
  • Chile, in Kraft seit 1. 3. 1991, Vorbehalt gem. Art. 96 CISG (Formerfordernisse);
  • China, Volksrepublik, in Kraft seit 1. 1. 1988, Vorbehalte gem Art. 95 (keine Anwendung von Art. 1 I lit. b CISG) und gem. Art. 96 CISG (Formerfordernisse);
  • Dänemark, in Kraft seit 1. 3. 1990, Vorbehalte gem. Art. 92 I CISG (Nichtanwendung der Regeln zum Vertragsabschluß) und gem. Art. 94 CISG (keine Anwendung im Verhältnis zu Finnland, Island, Norwegen und Schweden), keine Anwendung für die Färöer und Grönland;
  • Ecuador, in Kraft seit 1. 2. 1993
  • Estland, in Kraft ab 1. 10. 1994, Vorbehalt gem. Art. 96 CISG (Formerfordernisse);
  • Finnland, in Kraft seit 1. 1. 1989, Vorbehalte gem. Art. 92 I CISG (Nichtanwendung der Regeln zum Vertragsabschluß) und gem. Art. 94 CISG (keine Anwendung im Verhältnis zu Dänemark, Island, Norwegen oder Schweden);
  • Frankreich, in Kraft seit 1. 1. 1988
  • Guinea, in Kraft seit 1. 2. 1992
  • Irak, in Kraft seit 1. 4. 1991
  • Italien, in Kraft seit 1. 1. 1988
  • Jugoslawien, in Kraft seit 1. 1. 1988 (gem. Art. 33 des Gesetze über den Abschluß und die Durchführung völkerrechtlicher Verträge (Gesetzblatt Nr. 59/1991), hat Kroatien erklärt, alle nicht verfassungswidrigen völkerrechtlichen Verträge Jugoslawiens zu übernehmen);
  • Kanada, in Kraft seit 1. 5. 1992, ohne Vorbehalte seit 1. 2. 1993
  • Lesotho, in Kraft seit 1. 1. 1988
  • Mexiko, in Kraft seit 1. 1. 1989
  • Niederlande, in Kraft seit 1. 1. 1992
  • Norwegen, in Kraft seit 1. 8. 1989, Vorbehalte gem. Art. 92 I CISG (Nichtanwendung der Regeln zum Vertragsabschluß) und gem. Art. 94 CISG (keine Anwendung im Verhältnis zu Dänemark, Finnland, Island und Schweden);
  • Österreich, in Kraft seit 1. 1. 1989
  • Rumänien, in Kraft seit 1. 6. 1992
  • Rußland, in Kraft seit 24. 12. 1991, Vorbehalt gem. Art. 96 CISG (Formerfordernisse);
  • Sambia, in Kraft seit 1. 1. 1988
  • Schweden, in Kraft seit 1. 1. 1989, Vorbehalte gem. Art. 92 I CISG (Nichtanwendung der Regeln zum Vertragsabschluß) und gem. Art. 94 CISG (keine Anwendung im Verhältnis zu Dänemark, Finnland, Island und Norwegen);
  • Schweiz, in Kraft seit 1. 3. 1991
  • Slowakische Republik, in Kraft seit 1. 1. 1993, Vorbehalt gem. Art. 95 CISG (keine Anwendung von Art. 1 I lit. b);
  • Slowenien, in Kraft seit 25. 6. 1991
  • Spanien, in Kraft seit 1. 8. 1991
  • Syrien, in Kraft seit 1. 1. 1988
  • Tschechische Republik, in Kraft seit 1. 1. 1993, Vorbehalt gem. Art. 95 CISG (keine Anwendung von Art. 1 I lit. b);
  • Uganda, in Kraft seit 1. 3. 1993
  • Ukraine, in Kraft seit 1. 2. 1991, Vorbehalt gem. Art. 96 CISG (Formerfordernisse);
  • Ungarn, in Kraft seit 1. 1. 1988, Vorbehalt gem. Art. 96 CISG (Formerfordernisse);
  • USA, in Kraft seit 1. 1. 1988, Vorbehalt gem. Art. 95 CISG (kein Anwendung von Art. 1 I lit. b);
  • Weißrußland, in Kraft seit 1. 11. 1990, Vorbehalt gem. Art. 96 CISG (Formerfordernisse).
(S. 1102) Vertragsstaaten waren außerdem die Deutsche Demokratische Republik (seit 1. 3. 1990), die Tschechoslowakei (seit 1. 4. 1991, Vorbehalt gem. Art. 95 CISG) und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (seit 1. 9. 1991, Vorbehalt gem. Art. 96 CISG). Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die neu entstehenden Staaten in den Hoheitsgebieten des bisherigen Jugoslawiens und der ehemaligen UdSSR, die noch keine Nachfolgeerklärungen abgegeben haben, in die völkerrechtlichen Verpflichtungen der Vorgängerstaaten eintreten (3).

Auf die umfangreiche Rechtsprechung deutscher Gerichte, die sich mit der Anwendung des UN-Kaufrechts vor dem 1. 1. 1991 befaßt, wird nicht weiter eingegangen. Am 1. 1. 1991 ist das UN-Kaufrecht für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft getreten (4) und seitdem verbindliches Recht. Da im Anwendungsbereich des UN-Kaufrechts ein Rückgriff auf die Vorschriften des Internationalen Privatrechts nicht zulässig ist (5), muß Ausgangspunkt für die Lösung jedes internationalen Kaufrechtsfalls seit dem 1. 1. 1991 nunmehr zunächst das UN-Kaufrecht selbst sein. Ob das UN-Kaufrecht letztlich auch für Sachverhalte gilt, die sich vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens, aus deutscher Sicht also vor dem 1. 1. 1991 zugetragen haben, entscheidet Art 100 CISG (6). Demgegenüber neigt die deutsche Rechtsprechung dazu, bei der Entscheidung von vor dem 1. 1. 1991 angelegten Sachverhalten ohne Auseinandersetzung mit Art. 100 CISG primär den Weg über das Internationale Privatrecht zu suchen (7).

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